Ärger um den Sirenenalarm der Feuerwehren in Rosbach

“Kommt gut wieder heim!”

Der Ton geht durch Mark und Bein! Es ist ein heulend vibrierender Klang, den auch erfahrene Feuerwehrleute nicht gut ertragen können. Die Rede ist von den Sirenen auf den Dächern öffentlicher Gebäude im Stadtgebiet Rosbach. Durch den Verkauf des alten Feuerwehrhauses, das bisher Eigentum der Stadt Rosbach war, musste die Sirene vom dortigen Dach entfernt werden. Eine neue Sirene wurde jedoch auf dem Dach des Dorfgemeinschaftshauses errichtet. Nicht wenige Anwohner hatten gehofft, dass es gar keine Sirene im Nieder-Rosbacher Stadtteil mehr gibt.

Die Rosbacher Feuerwehr wird grundsätzlich über persönliche Funkmelder alarmiert. Zusätzlich rufen die drei in Ober- und Nieder-Rosbach installierten Sirenen in der Zeit von 6:00 Uhr bis 20:00 Uhr mit einem drei Minuten dauernden dreimal an- und abschwellenden Heulton die Brandschützer zum Einsatz.
Die Klagen über Sirenenalarme nehmen in den letzten Wochen deutlich zu. “Das hängt natürlich mit der Arbeitsbelastung der Rosbacher Wehrleute zusammen. Schon im September 2003 haben die beiden Rosbacher Feuerwehren die Zahl der Einsätze vom Vorjahr übertroffen” erläutert Stadtbrandinspektor Bernd Suffner in einem Gespräch.
Die unmittelbar vom Heulton in Mitleidenschaft gezogenen Bürger haben schon mehrfach versucht, die Alarmierung über Sirene zu unterbinden. “Ihr habt doch alle eure Piepser, mit denen ihr zum Einsatz gerufen werdet,” rechtfertigt ein Anwohner seinen deutlich erkennbaren Unwillen. "Ich kann ja verstehen, dass die Anwohner den Klang der Sirene als störend empfinden,” äußert sich Suffner verständnisvoll. “Andererseits sind Rosbacher Feuerwehrleute auch nur Menschen, die z.B. als Landwirte während der Feldarbeit wegen der Verlustgefahr nicht immer den Funkmelder einstecken haben oder die in ihrer Freizeit den Melder daheim im Ladegerät vergessen.”
Die jetzige Alarmierungsform hat bei den meisten Rosbachern positive Folgen. Bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus in privaten Fahrzeugen und bei der Abfahrt mit Einsatzfahrzeugen sind die in der Vergangenheit häufigen Beschimpfungen drastisch zurückgegangen.

Die Alarmpläne werden bei den Rosbacher Feuerwehren wie bei jeder anderen Feuerwehr regelmäßig einer Prüfung unterzogen. Die nächste Prüfung steht im Januar 2004 an. Dann wird auch die Alarmierung über Sirene kritisch betrachtet. “Die Feuerwehr der Stadt Rosbach wird aber auf gar keinen Fall grundsätzlich auf den Sirenenalarm verzichten können,” betont der Rosbacher Stadtbrandinspektor, Bernd Suffner, “vielleicht aber wird die Sirenenalarmierung stärker der gemeldeten Lage angepasst.”

Ganz anders als die vom Heulen der Sirene genervten Anwohner sehen die Familien der Feuerwehrleute den Sirenenalarm. “Da beschweren sich die Mitbürger über eine Störung von drei Minuten, wo unsere Männer selbst bei einem Fehlalarm mindestens 20 bis 30 Minuten aus dem Haus sind,” wundert sich die Ehefrau eines langjährig tätigen Feuerwehrmannes. Schon ein unspektakulärer Einsatz dauert durchschnittlich zwei Stunden. Eine andere Ehefrau ergänzt: “Die Männer und Frauen der Feuerwehr tun das doch nicht, weil es so toll ist, schwer verletzte Menschen aus Autowracks zu schneiden oder sie aus brennenden Häusern zu holen.”
Ein Rosbacher Feuerwehrmann ist selber Vater eines 15 Monate alten Mädchens und weiß aus eigener Anschauung, dass die Sirene bei dem Kind für einen kurzen Moment eine ängstliche Reaktion zur Folge hat. “Auf dem Arm der Mutter beruhigt sich unser Kind aber ganz schnell,” sagt er lächelnd.

Joachim Michalik, Pressesprecher der Rosbacher Feuerwehr, gibt aus seiner beruflichen Sicht als katholischer Seelsorger zu bedenken: “Natürlich dient die Sirene erstmal der Alarmierung der Feuerwehrleute. Sie soll aber auch alle Bürgerinnen und Bürger daran erinnern, dass es die Pflicht aller Menschen ist, Mitmenschen in jeder bedrängenden Not beizustehen.” Die Feuerwehr übernimmt diesen verpflichtenden Dienst der Allgemeinheit stellvertretend, weil die Aufgaben der Feuerwehr heute eine Fülle von Fachkenntnissen erfordern.
Seine Ehefrau Martina bringt es für sich auf den Punkt: “Ich denke bei jedem Alarm und nicht nur bei dem durch die Sirene: Gott, lass meinen Mann gesund wieder heimkommen. Vielleicht kön­nen die Kritiker einerseits und alle Bürger guten Willens andererseits die Feuerwehrleute beim Sirenenalarm mit dem Wunsch begleiten: ‚Kommt gut wieder heim!”

Joachim Michalik

Aus: Florian Hessen, 1/2004


Für das Internet bearbeitet  von Hanjo v. Wietersheim am 18.02.2004.

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