Feuerwehr Köln - Einsatz Nr. 3402

Köln. Am Mittwoch, 6. März 1996, wurde die Berufsfeuerwehr um 13.42 Uhr zu einem Kellerbrand im Stadteil Zollstock gerufen. In einem 25geschossigen Wohnhochhaus brannten in einem ca. 45 qm großen Mieterkeller abgestellte Gegenstände unter starker Rauchentwicklung. Der Brand führte, u.a. aufgrund baulicher Mängel, rasch zu einer Verqualmung des Kellerbereiches und darüberliegender Geschosse.

Die Brandbekämpfung erfolgte mit einem C-Rohr und zwei Mittelschaumrohren. Sie war um 15.45 Uhr beendet. Die Bewohner konnten sich größtenteils selbst in Sicherheit bringen. Eine blinde Frau wurde unverletzt über tragbare Leitern ins Freie geführt, ein einjähriges Kind und eine ältere Dame wurden mit leichter Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Da nicht alle Wohnungsinhaber der 220 Wohneinheiten angetroffen wurden, mußten rund 50 Wohnungen kontrolliert werden. Hierbei wurden teilweise starke Verqualmungen angetroffen und eine verendete Katze aufgefunden. Die Wohnungen wurden gelüftet und nach Kontrolle auf Kohlenmonoxidgehalt durch den Schlüsseldienst wieder verschlossen.

Der Einsatz war um 23.00 Uhr beendet. Insgesamt waren ca. 90 Einsatzkräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr tätig. Es wurden rund 40 Preßluftatmer eingesetzt.

Rund eine halbe Stunde nach Einsatzbeginn befand sich der aus drei Beamten bestehende Angriffstrupp der FW 2 (darunter BM Stampe) auf dem Rückweg aus dem Keller ins Freie, da bei BM Stampe das Rückzugssignal seines Preßluftatmers angesprochen hatte. Dabei fiel unbemerkt der Anfang der von ihm in einem Beutel mitgeführten Rettungsleine zu Boden. Sie entrollte sich und verfing sich auf dem weiteren Rückweg in einigen Windungen der Schlauchresere der Angriffsleitungen. Nachdem die Leine gänzlich ausgelaufen war, hinderte sie BM Stampe am Weiterkommen: Sie war vorschriftsmäßig im Seilbeutel verknotet, der Beutel wurde an der Trageleine über die Schulter getragen.

Infolge der extrem schlechten Sichtverhältnisse konnte der Trupp den Kollegen nicht befreien. Nach Information der Einsatzleitung über Funk ging ein Beamter ins Freie, zusätzliches Gerät zu holen. Er erhielt Unterstützung vom bereitstehenden Rettungstrupp (zwei Beamte) und vier weiteren, gerade an der Einsatzstelle eingetroffene Beamten unter Preßluftatmern.

Zwischenzeitlich hatten sich die Sichtverhältnisse auch im Erdgeschoß weiter so verschlechtert, dass die Orientierung der nachrückenden Trupps äußerst schwierig war. Da zwischenzeitlich bei den beiden anderen Kollegen des Angriffstrupps die Luftreserven zu Ende gingen, mussten auch sie ins Freie gebracht werden. BM Stampe wurde als letzter leblos auf der Kellertreppe aufgefunden, ca. 30 m vom Freien entfernt. Sein Atemschutzgerät war leergeatmet. Er wurde rund 45 Minuten nach Einsatzbeginn ins Freie gebracht und von Notärzten reanimiert.

BM Stampe (28, ledig) verstarb am Samstag, 9. März 1996, um 15.40 Uhr, in der Universitätsklinik, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Die durch den Unfall ihres Kollegen schwer betroffenen Mitarbeiter der FW 2 wurden aus dem Einsatz herausgelöst und auf ihrer Wache durch den Feuerwehrseelsorger betreut. Sie wurden später durch 12 aus der Freizeit herbeigeholte Einsatzkräfte ersetzt. Die Nachbereitung des Einsatzes sowohl unter seelsorgerlichen, als auch unter fachlichen Gesichtspunkten dauert an. Zu gegebener Zeit erfolgen weitere Informationen durch die Fachpresse.

Für die Feuerwehr Köln ist dies der erste tödliche Dienstunfall seit 1949.

Letzte Änderung von Hanjo v.Wietersheim am 18.12.97.