Bericht über den Tod von Lutz Deumer in der "brandwacht" 11-12/98, der Zeitschrift für Brand- und Katastrophenschutz des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren.


Der Tod im Wasser

Wie Kommandant Lutz Deumer ums Leben kam
Eine Korrektur der Medien-Berichte

Das Hochwasser, das Ende Oktober in Bayern vor allem den fränkischen Landesteil in Atem gehalten hat, hat unter den Einsatzkräften der Feuerwehren ein Todesopfer gefordert. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Püscheldorf, einem Ortsteil von Offenhausen im Landkreis Nürnberger Land, Lutz Deumer, hatte sich bei einem Einsatz schwere Verletzungen zugezogen, denen er nur wenige Tage später erlag.

Nur wenige Meter vom Haus des verunglückten Kommandanten mündet der kleine Bach des Ortes in ein etwa sechzig Meter langes Rohr unter der Straße. Im Normalfall reicht das Wasser nur für ein bescheidenes Bächlein. Nach den heftigen Regenfällen und weil der Rohreingang mit Ästen und Zweigen verstopft war, staute es sich am Unglücksabend zu einem See auf, der bereits einen Teil der Straße überflutet hatte. Da die Straße an dieser Stelle schon ein mal unterspült worden war, wollte Lutz Deumer mit anderen Männern der Püscheldorfer Feuerwehr den Rohreingang freimachen.

Der stv. Kommandant Edmund Galeitzke und Feuerwehrmann Bernd Prögel berichteten der brandwacht, Deumer sei dabei unter der Wasseroberfläche mit den Füßen in einen so heftigen Sog geraten, daß er mit den Beinen in das Rohr gezogen wurde. Mehrere Feuer wehrleute hätten versucht, ihn festzuhalten. Dabei sei Deumer vom nachlaufenden Wasser überspült worden und habe das Bewußtsein verloren. Zwanzig Minuten lang sei es nicht gelungen, den Verunglückten aus dem Wasser zu ziehen, weshalb die Männer keine Möglichkeit mehr gesehen hätten, ihren Kommandanten auf diese Weise zu retten, berichteten Galeitzke und Prögel. In der Hoffnung, er werde ohne Verzögerung durch das Rohr gespült, hätten die Männer den Verunglückten schließlich losgelassen. Tatsächlich sei der Bewußtlose Sekunden später am anderen Ende des Rohrlaufs wieder ausgespült und sofort aus dem Wasser gerettet worden.

Mit dieser Darstellung wider sprachen die beiden Feuerwehrleute dem Polizeibericht und den folgenden Medienberichten, in denen es geheißen hatte, der Verunglückte sei zwanzig Minuten lang mitten im Rohrlauf gesteckt.

Zwei Feuerwehrleute begannen nach der Rettung mit der Wiederbelebung, die dann der später eingetroffene Notarzt übernahm. Nach erfolgreicher Reanimation wurde der schwerverletzte Kommandant in ein Nürnberger Krankenhaus gebracht. Während es dort am nächsten Tag noch hieß, Deumer sei außer Lebensgefahr, erlag er zweieinhalb Tage nach dem Unglück den schweren inneren Verletzungen.

,,Es war ein Schritt zuviel", sagte Bernd Prögel der brandwacht. In der Dunkelheit habe der Feuerwehrkommandant an der Unglückstelle nicht sehen können, wo die Straße zum Rohreingang hin abfalle; ebenso wenig habe die glatte Wasseroberfläche auf der Straße den heftigen Sog am Rohreingang erkennen lassen. Keiner der Beteiligten habe den Einsatz zunächst als gefährlich eingestuft.

Der Verunglückte selbst wird als umsichtig und überlegt geschildert. Seit fünf Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, sei Deumer in den vergangenen drei Jahren ihr Kommandant gewesen. In Püschel dorf hat der 37jährige als Schreiner gearbeitet. Er hinterläßt eine Frau und zwei Töchter im Alter von fünf und dreizehn Jahren.

Von Matthias Steiner


Ein selbstloser Einsatz

Wenn ein Feuerwehrmann bei einem Ein satz vor Ort verletzt wird oder gar einen tödlichen Unfäll erleidet, sind wir alle betroffen, auch wenn wir wissen, daß die Tätigkeit der Feuerwehren mit Risiken verbunden ist. Das tragische Ende des Püscheldorfer Kommandanten Lutz Deumer hat nicht nur uns alle, die wir unmittelbar oder mittelbar im Bereich der Feuerwehr tätig sind, erschüttert; durch die breite Berichterstattung der Medien wurde überall in Bayern das Risiko der Feuerwehrarbeit bekannt. Menschen, die immer noch glauben, wer Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, sei lediglich interessiert an organisierter Fröhlichkeit, die wurden spätestens in diesen Tagen korrigiert.

In diesem Zusammenhang wollen wir erneut an jene Arbeitgeber appellieren, die wenig Verständnis für ihre Mitarbeiter haben, wenn sie sich bei der Feuerwehr oder bei Hilfs- und Rettungsorganisationen engagieren: Bitte mehr Tolleranz. Es sollte berücksichtigt werden, daß das Ehrenamt wesentliche Voraussetzung für gutes Zusammenleben in einer Solidargemeinschaft ist. Ohne den freiwilligen Freizeiteinsatz, ohne den Eileinsatz auch während der Arbeitszeit gäbe es keine funktionierende und bezahlbare Brandbekämpfung, Bergung, Rettung, Erste Hilfe...

Lutz Deumer, der Kommandant aus dem mittelfränkischen Püscheldorf, hat mit dem Leben bezahlt, weil er während des Hochwassers im Spätherbst Schaden verhindern, Menschen helfen wollte. Sein Einsatz war vorbildlich. Sein Tod könnte Anlaß sein, über Sinn und Notwendigkeit praktizierter Hilfe nachzu denken und eventuelle Vorurteile sowie kommerzielle Egoismen abzubauen.

(red.)


Quelle: brandwacht 11-12/98

für das Internet bearbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 21.12.98.