Über den Tod von Frank Köckritz


        

Am 12.August 2002 verstarb bei einem Hochwassereinsatz der Kamerad der Feuerwehr Pirna, Löschmeister Frank Köckritz. 
Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Die Feuerwehr Pirna hat ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen eingerichtet:
Sparkasse Freital-Pirna
BLZ: 850 503 00
Nr.: 3000000452
Verwendungszweck: Frank Köckritz



                         

Die Hörer des NDR haben Frank Köckritz zum Mensch des Jahres 2002 gewählt.
Hier die Begründung zu dieser Wahl:

Frank Köckritz hat das getan, was als Feuerwehrmann von ihm erwartet wurde. Er ist ein Held – genauso, wie die vielen anderen Helfer auch, die während der Flut ihr Leben riskierten. Das es ausgerechnet ihn traf, ist Zufall – oder Schicksal.

Es ist der 12. August 2002 im sächsichen Pirna. Der kleine Fluß Seidewitz,der aus dem Ost-Erzgebirge kommt, schwillt in wenigen Stunden zu einer reißenden Flut an. Irena Guttowski wohnt mit ihrer Familie direkt an dem Fluss. Als sie am Nachmittag von der Arbeit nach Hause kommt, ahnt sie noch nicht, wie schlimm es kommen wird: "Als wir dann hier raus gefahren kamen: Also, der Bach war hoch wie nie, aber noch in seinem Bett drinnen. Und dann haben wir gedacht: Na gut, dann muss das Wasser mal durchlaufen. Das haben andere Generationen auch schon erlebt. Aber dass das Haus mit weggerissen wird durch den Bach, das hätten wir uns nicht träumen lassen."
Auch die Pirnaer Rettungskräfte sind völlig überrascht. Zunächst versuchen die Feuerwehrmänner noch mit Sandsäcken die Häuser zu schützen. Doch schnell wird klar: Es kann nur noch darum gehen, die Bewohner der Häuser aus der Flut zu retten. Der kleine Fluss Seidewitz hat den gesamten Stadtteil auf einer Breite von 80 Metern überschwemmt. Viele Menschen sind von den Wassermassen eingeschlossen, erinnert sich Wehrführer Peter Kammel: "In dem Augenblick haben wir dann auch festgestellt, dass es die Familie Guttowski besonders hart getroffen hat. Das ist ein Haus, was sehr tief liegt in der Ortslage, unmittelbar am Fluss. Das war schon komplett unterspült. Und dann haben wir auch festgestellt, dass dringend Bedarf war, die Familie aus der Flut herauszuholen."

Einer der Feuerwehrleute, die versuchen, die Guttowskis zu retten, ist der 35 Jahre alte Frank Köckritz. Er und seine Kollegen spannen ein Seil zwischen dem rettenden Ufer und dem Grundstück, wo das Ehepaar und eine der beiden Töchter auf Hilfe warten. Die 16-jährige kann sich an dem Seil herüberhangeln. Feuerwehrmann Köckritz hat sich inzwischen zu dem Ehepaar Guttowskis gehangelt und versucht zu helfen. Plötzlich kommt ein Auto angeschwommen, das die Flut mitgerissen hat: "Das hat die beiden Sicherungsseile, wo die Frau Guttowski und auch unserer Kamerad festgebunden waren, das hat die umgerissen. Aber dadurch, dass das stehen blieb und ließ sich nicht mehr von der Stelle bewegen, hat sich dort durch die Wassermassen ein so enormer Druck aufgebaut, dass erstens kein weiterer Feuerwehrmann auf die andere Seite kam. Und das zweite, dass sich durch diesen unwahrscheinlichen Wasserdruck, der sich hinter dem Auto aufgebaut hat, die zwei Personen sich in absoluter Lebensgefahr befanden. Unser Kamerad wurde wieder umgerissen, ihn hat es dann unter das Auto gedrückt. Aufgrund des unwahrscheinlichen Wasserdrucks hat es ihn dann so unter das Auto gedrängt, dass der letztendlich dort ertrunken ist."

Die Familie Guttowski kann sich später auf abenteuerliche Weise selbst aus der Lebensgefahr retten – ihr Haus stürzt teilweise ein und muss abgerissen werden. Für Feuerwehrmann Köckritz kommt jede Hilfe zu spät. Ein Schock: für die Feuerwehrkameraden und für die Familie: Frank Köckritz hinterlässt eine 30 Jahre alte Frau und zwei kleine Kinder.
"Auch im Nachhinein überlegt man: man hat selber auch Kinder und die Kameraden, die mit im Einsatz waren, sind größtenteils auch Familienväter. Da überlegt man dann schon einen Augenblick mehr, zumal man ja auch eine persönliche Beziehung zu diesem Feuerwehrkameraden hatte. Das ist dann natürlich besonders schwer für einen zu verarbeiten."
Seine Kollegen haben weiter gemacht – auch wenn es schwer fiel, in den Tagen und Wochen nach dem 12. August. So wie sie haben Tausende während der großen Flut im Sommer 2002 ihr Leben riskiert, um anderen zu helfen. Frank Köckritz war einer von ihnen.
"Es hätten sicherlich viele an seiner Stelle so gehandelt, die diesen Job als Ehrenamt oder als Beruf machen. Und das Restrisiko ist immer eine Sache, die uns ganz, ganz hart treffen kann. In diesem Fall natürlich besonders hart."


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Link Feuerwehr Pirna

Hanjo v.Wietersheim, 15.12..2002